Blind Date in den Pyrenäen

 

Es begann alles ganz harmlos. Eine E-Mail von Peter Masey. Na welchen Dirt- Event hat er nun wieder für uns? Oder vielleicht wieder ein Gebrauchtschnäppchen, das er über den Ticker jagt?

Drei Offroader suchen noch einen vierten Mann für einen Pyrenäen-Trip. Das rechnet sich sonst nicht für den Guide. Erst ab vier Leuten bis maximal sechs, wobei es bei einer höheren Anzahl Teilnehmer auch noch Rabatt gibt.

Ziemlich abgenervt vom Jahresabschluss und mit einer hohen Anzahl Überstunden ausgestattet, wird die Skepsis aus dem Kopf geblasen. 

5 Tage Singeltrails in den Pyrenäen sind zu verlockend. Hinzu kommt das „Scheißegal-Syndrom“.  Wird schon irgendwie klappen. Die Kohle an Stefan  überwiesen, Biker vertrauen sich, und der Geschäftsführung mitgeteilt, dass ich unbedingt mal ne Woche raus muss. „Bin die Woche darauf zum Monatsabschluss wieder da.“

 

Freitag Abend verladen der Bikes bei Rainer, unserem Guide, in Bückeburg. Samstag um 14.00 Uhr soll es losgehen. Ingo, einen der drei, lerne ich beim Verladen kennen. Die Drei fliegen am nächsten Tag für 65,-€ Hin- und zurück mit Ryanair ab Bremen. Wohl dem, der Frühbucher ist. Ich selbst fahre mit Rainer im LT mit. Geplant ist Fahrerwechsel. Am nächsten Morgen um fünf wollen wir da sein, in Roses an der Costa Brava, am Fuße der Pyrenäen.

 

Tatsächlich sind wir am nächsten morgen unten. Nachmittags geht es mit den Bikes, Bunte Mischung, Beta (Rainer), Husaberg (Stefan), Husqvarna (Ingo), Yamaha (Thorsten) und KTM (Karsten), zur Stadterkundung und Austesten der Schmerzgrenze der spanischen Polizei. Die liegt glücklicherweise sehr hoch. Mit einem kleinen Abstecher die Steilküste hoch (Schotterpiste)  und anschließendem Chillen im Cafe lassen wir es für den Anfahrtstag bewenden.

 

Am nächsten Morgen Frühstück bei Rainer im Appartement, im Preis inbegriffen. Dann Kurzcheck der Maschinen, Aufteilen der mitzunehmenden Dinge, wie Montierhebel, Schläuche für Vorder- und Hinterrad, kl. Werkzeugset etc. und ab geht es um 11.00 Uhr auf die Piste. Aus dem Ort raus, erste Wasserdurchfahrt nicht passierbar, es hat nach Auskunft der Einheimischen 3 Wochen geregnet. Zur Not gibt es auch Brücken. Dann die ersten Feld- und Rad- bzw. Wanderwege. Immer wieder kleinere Wasserdurchfahrten. Bis zu einer Wiese, die ca. 500m lang annähernd komplett geflutet ist. „Hier fahr ich immer durch“. Ich folge Rainer. Die anderen warten ab. Gute Entscheidung. Plötzlich verschwindet Rainer bis zur Sitzbank im Wasser. Ich folge den Grasspitzen, die aus dem Wasser ragen, in der Hoffnung, dass es so nicht tiefer als 40 cm wird, und.... komme durch. Die anschließende Entwässerung der Beta (Kopf- bzw. Handstand) findet ihr in der Bildergalerie. Danach 15 Km abschleppen zum Stützpunkt. Nach fünf Ölwechseln läuft sie wieder einwandfrei. Wir gehen noch einmal für 3 Stunden ins Gelände.

 

Nächster Tag: Ab 11.00 Uhr wieder unterwegs. Nach der üblichen Etappe bis ins Bergvorland, wird es nun anspruchsvoll. Selbst die Versorgungswege und Feuerlöschschneisen fordern. Rainer führt uns mit Hilfe von GPS und seiner intimen Kenntnisse von Singel-Trails, Steilauffahrten, „schwarzen“ Trail-, Enduro- und Crosspisten immer neuen Challenges zu. Bei manchen Passagen bleibt einem schon beim Raufschauen die Luft weg. Aber nach einem aufmunternden ...“da geht’s rauf (oder runter) lässt einen der Gruppenzwang doch immer wieder den Gang einlegen. Ist man erst einmal in einer Passage drin, gibt es ohnehin nur Sekt oder Selters.

 

Tag drei bringt noch einmal eine Steigerung. Spanischer Truppenübungsplatz. Eine Mischung aus Erzberg und irischen Highlands. Mal äußerst steil auf felsigen Panzerauffahrten, mal kilometerlang felsige, zu der Jahreszeit noch wasserführende Bachläufe. Zu dem Zeitpunkt hatte sich meine KTM bereits entschieden, auf den Anlasser zu verzichten und meine Waden zu fordern. Also möglichst nicht ausmachen.

Nachmittags machten wir übrigens Platte, soll heißen Plata catalan (Wurstplatte mit Salat und geröstetem mit Öl und Knoblauch bestrichenem Weißbrot). Dazu eine Art Radler und danach Cafe con leche oder cortado. Das Ganze per Umlage abgerechnet. Als ich wieder zu Hause war, hatte ich trotz der Anstrengungen zwei Kilo zugenommen. Bestes Ambiente, auf kleinem Dorfplatz mit Platanen, mitten in den Bergen.

Auch am vierten Tag sorgte unser Guide weiter für Abwechslung. Wenn ihr es Euch noch einmal richtig geben wollt, fahrt diesen Singeltrail runter. Ich warte im Ort auf Euch. Nach ca. 100 m war für uns gefühlt kein Weiterkommen. Nach eingehender Beratung, entschlossen wir uns fürs Umkehren. Einen Eindruck, warum wir mehr als eine Stunde für den Rückweg brauchten, hat mich einen Kupplungshebel gekostet (Salto Rückwärts aus dem Stand, wie beim Bodenturnen), bekommt ihr von den Videosequenzen. Ton solltet ihr ausschalten. Die Kommentare sind sehr emotional geprägt!

 

Am fünften Tag hatten wir mit leichtem Ausrollen gerechnet. Rainer wollte uns aber noch zu einem abgestürzten Löschflugzeug weit oben in den Bergen führen. Danach wurde es noch einmal richtig knifflig. Übrigens: wer glaubt, solch eine Tour ohne Teamgeist und Kameradschaft mitmachen zu können, sollte Abstand nehmen. Damit meine ich nicht die Unterbringung in Doppelzimmern, sondern, dass im Extremfall die Maschinen nur durch den gemeinsamen Einsatz, durch Schieben, Ziehen Stabilisieren und Heben „über den Punkt“ gebracht werden konnten (reines Managertraining.. ha,ha).

 

Schaut euch die Bilder und Videos an. Die Schwierigkeitsgrade werden durch die Gruppe bestimmt. Deshalb sollte die Gruppe aus Mitgliedern vergleichbaren Fahrkönnes bestehen. Rainer stellt sich bei der Auswahl der Strecken auf Euch ein.

 

Fünf Tage wie im Flug vorbei. Außer Voltaren nichts zur Versorgung von Blessuren gebraucht.

Dann wieder 15 Stunden mit dem LT zurück. Die priviligierten Frühbucher waren natürlich früher zu Hause. Montag wieder Zur Arbeit.

 
Als uns dann Rainer zwei CDs mit Bildern und Videos zuschickte, hatten alle wieder das ganz breite Grinsen im Gesicht. An die Schinderei dachte keiner mehr.

Nur an fünf Tage tollstes Gelände.

 

Mal schaun, ob ich nächstes Jahr wieder gestresst bin...

 

Euer Clubkamerad

Karsten

Hier nun das Video:



Die Fotos findet man --> HIER <-- als Slideshow


Die Kontaktadresse des Tourguides:

Rainer Ernst
Kolberger Str. 7a
31675 Bückeburg
+4916097961971
motorrad-man@magic.ms